Selbstgestrickte Socken verkaufen: Preise, Steuern und Co.

Wenn du gerne strickst, hast du bestimmt schon mal gedacht: Ist das nicht eine großartige Möglichkeit, dein Hobby zu einer lukrativen Einnahmequelle zu machen? Selbstgestrickte Socken verkaufen! Nicht nur sind handgefertigte Socken ein tolles Produkt, sondern du könntest auch deiner Kreativität freien Lauf lassen und verschiedene Materialien nutzen, um einzigartige und stylische Socken herzustellen.

Natürlich braucht es Zeit, um Socken zu stricken. Aber wenn du das Hobby ohnehin schon betreibst, könntest du die Zeit genauso gut nutzen, um ein Geschäft aufzubauen. Und es gäbe viele Möglichkeiten, selbstgemachte Socken zu verkaufen: von Handarbeitsmärkten über Onlineshops wie Etsy bis hin zu Kleinanzeigen. 

Selbstgestrickte Socken verkaufen

So toll das klingt – eins muss ich dir schon jetzt sagen: Reich wirst du damit sehr wahrscheinlich nicht, die Konkurrenz ist groß und es lassen sich kaum große Gewinne erzielen. Nebenberuflich kannst du aber zumindest den Preis für das gekaufte Garn mit dem Verkauf selbstgestrickter Socken erwirtschaften.

Selbstgestrickte Socken verkaufen: Daran musst du denken!

Das Thema ist ziemlich komplex, deshalb habe ich dir hier Übersicht zum Verkaufen selbstgestrickter Socken mit vielen Unterpunkten. Darin findest du Themen, die du beachten musst und an die du denken solltest, wenn du deine fertigen Handarbeiten online oder auf Märkten verkaufen möchtest. Diese Liste gilt nicht nur für handgestrickte Socken, sondern auch für alle anderen Handarbeiten und DIYs, die du neu verkaufen möchtest.

Ich führe hinter den einzelnen Punkten Informationen, aber auch Fragen auf, die du dir stellen solltest, wenn du deine handgemachte Kleidung und Accessoires mit Gewinn verkaufen möchtest.

Zielgruppen: Wer wird meine selbstgestrickten Socken kaufen?

  • Endkunden: Das ist vermutliche deine Hauptzielgruppe – Menschen, die deine Socken selbst nutzen und tragen wollen.
  • Händler und Wiederverkäufer: Hierzu zählen zum Beispiel Handarbeitsläden, aber auch kleine Geschäfte, die individuelle Produkte anbieten. Du kannst auch versuchen, deine Socken an lokale Hof- oder Bioläden in Kommission zu verkaufen. Für Babysocken bieten sich Babyausstatter an und außerdem solltest du an Geschäfte denken, die Fächer für genau solche Zwecke vermieten. 

Verkaufsstrategien: Wo kann ich meine selbstgestrickten Wollsocken anbieten?

  • Online-Verkauf über E-Commerce-Plattformen, z. B. Etsy, Kleinanzeigen
  • Verkauf auf lokalen Märkten, z. B. Weihnachtsmärkte, Wochenmärkte, Märkte zu besonderen Anlässen beispielsweise im Kindergarten. Prüfe hierfür am besten die Veranstaltungsseite deiner Kommune und notiere dir alle potenziellen Märkte. Bereite Flyer oder Werbebroschüren zum Verteilen vor. Solche Märkte dienen oft auch als Werbung für deine Produkte.
  • Verkauf auf Handwerksmessen oder -ausstellungen: Früher waren das die typischen dawanda Märkte. Heute gibt es diese Veranstaltungen und Kreativmessen von diversen Anbietern. Suche am besten im Internet nach Veranstaltungen, melde dich frühzeitig an und kalkuliere, ob sich eine Teilnahme für deine Ziele lohnt.

Materialien und Design: Was muss ich bei Wolle und Strickmuster beachten?

  • Auswahl und Beschaffung von Materialien, z.B. vegane Sockenwolle, spezielle Garne für Allergiker, Sommergarne. Wo gibt es Rabatte, wenn du direkt mehr Garn orderst? Oft kannst du als gewerbetreibender Unternehmer besondere Konditionen aushandeln oder nutzen. 
  • Strickanleitungen und Muster: Darf ich das Muster frei verwenden? Gibt es Einschränkungen beim Verkauf durch die UrheberIn des Designs?
  • Farbtrends und -kombinationen: Wie ist gerade die Nachfrage? Welche Muster und Farben sind beliebt?
  • Größen und Passformen: Möchte ich Socken in allen Größen anbieten oder nur für bestimmte Altersklassen? Dazu kommt die Frage: Stricke ich bei Online-Verkauf auf Vorrat oder erst nach Bestelleingang?

Willst du wissen, wie viel Garn du für ein Paar Socken in einer bestimmten Größe brauchst? Ich habe über 2000 Sockenprojekte analysiert und gebe dir die Antwort für deine Größe in einem weiteren Blogartikel auf Caros Fummeley.

Konkurrenzanalyse: Welche anderen Anbieter von selbstgestrickten Socken gibt es bereits?

  • Marktanalyse und Trends: Was gibt es bereits? Was läuft gut, was eher schlecht?
  • Bewertung von Preisstrategien und -politiken: Was kosten gestrickte Socken bei anderen AnbieterInnen? Schau dich dafür auf Etsy und auf Märkten in deiner Nähe um.

Unternehmensführung: Wie sieht meine wirtschaftliche Organisation aus?

  • Gründung eines Unternehmens für den Verkauf von handgestrickten Socken: Bei Gewinnerzielungsabsicht, also dem Plan, mit einem selbstgemachten Produkt Geld zu verdienen, ist die Anmeldung eines Gewerbes in Deutschland unumgänglich! Es gibt keine Freigrenzen!
    Dein Gewerbe kannst du ganz unkompliziert beim Gewerbeamt in deiner Kommune anmelden. Die Anmeldung selbst ist kostenlos oder kostet in den meisten Fällen zwischen 30 und 50 Euro. Tipp: Lasse am besten alle möglichen Dinge eintragen, die dir eventuell vorschweben. Jede spätere Änderung im Gewerbeschein kostet sonst wieder Geld – vom Aufwand abgesehen.
  • Finanzplanung und -management: Wer macht die Buchhaltung? Wie viel Material muss ich kaufen, um die ersten Socken für den Verkauf vorzubereiten?
  • Steuerrechtliche Aspekte in Deutschland: Kleinunternehmerregel oder Regelbesteuerung? Wann müssen welche Erklärungen und Anmeldungen abgegeben werden? Informiere dich hierzu am besten bei einem SteuerberaterIn.
  • Rechtliche Aspekte in Deutschland: Brauche ich für meine gestrickten Produkte ein CE-Kennzeichen? Unterliegen sie der Textilkennzeichnungsverordnung? Brauche ich AGB und Widerrufsbelehrung? Das sind nur einige Stichpunkte, zu denen du dich dringend informieren solltest, bevor du ernsthaft selbstgemachte Produkte online verkaufst.

Kundenkommunikation & Qualitätsmanagement: Wie reagiere ich auf Anfragen, Rückgaben und Beanstandungen?

  • Kundenbewertungen und Feedback
  • Kundenbindung und -zufriedenheit
  • Kundenkommunikation und -betreuung
  • Garantien, Rücknahmen, Rücksendungen und Beschwerden

Verpackung und Versand: Wie schnell will ich versenden und wie organisiere ich den Versand?

  • Verpackungs- und Versandmaterialien: Wo kannst du günstige Verpackungen kaufen? Wie sollen die Socken hübsch verpackt werden? Benötigst du besonders nachhaltige Versandtaschen? Soll weiteres Zubehör mit verkauft werden?
  • Versandmethoden und -kosten: Mit welchem Anbieter willst du arbeiten und wie hoch sind die Preise?
  • Verpackungslizenz nicht vergessen! Wer als Unternehmen Waren in Verpackungen vertreibt, muss an die Verpackungslizenz denken! Die Lizenzpflicht gilt für alle in Deutschland produzierten bzw. in Umlauf gebrachten Verpackungen. Denn jede Verpackung führt zu Verpackungsabfall und dieser muss von den Unternehmen entsorgt werden. Die Kosten hierfür werden über die Verpackungslizenz abgedeckt. 
    Wer die Lizenzpflicht vergisst, riskiert eine Abmahnung und empfindliche Bußgelder. Also, unbedingt die Verpackungslizenzierung rechtzeitig beantragen! Die wichtigsten Informationen dazu findest du auf verpackungslizenz24.de.

SEO und Marketing: Wie will ich online und offline auf meine selbstgestrickten Socken aufmerksam machen?

  • Betreiben einer eigenen Website mit Informationen und eventuell einem eigenen Onlineshop
  • Influencer-Marketing und -Kooperationen: Gibt es InfluencerInnen, die deine gestrickten Socken empfehlen könnten? Falls dir kleinere, sogenannte MicroinfluencerInnen bekannt sind, lohnt es sich vielleicht diese nach Support zu fragen.
  • Marketing auf Social-Media-Plattformen, wie Instagram und TikTok. Meine Empfehlung: Stecke nicht zu viel Zeit in diese kurzfristigen Kanäle und nutze lieber eine Website mit sinnvollen Inhalten, der SEO optimiert ist.

Welcher Preis für gestrickte Socken ist ok?

Die Frage nach dem Preis für selbstgestrickte Socken ist schwer zu beantworten. Wenn du unternehmerisch kalkulierst, wirst du Preise als Ergebnis bekommen, die niemand bereit ist zu zahlen. Ein kleines Beispiel:

Ich benötige zum Stricken eines Paares Socken in Größe 40 mit 4-fädiger Sockenwolle und ohne Muster etwa 8 Stunden. Wenn ich davon leben möchte, muss ich mit einem Stundensatz von mindestens 80 Euro/Stunde rechnen. Wie du deinen Stundensatz ermitteln kannst und deine Preise festlegen kannst, lernst du bei diversen Online Business Coaches, wie zum Beispiel Lisa Tihanyi oder Anke von cherrypicking.

Rechne ich also mit 8 Stunden und 80 Euro je Stunde, müsste mein Paar Socken mindestens 560 Euro kosten. Dazu kämen Material- und diverse andere Kleinstkosten, wie Versand, Verpackung, eventuell Shop-Gebühren.

Üblich sind – vor allem auf Weihnachtsmärkten – aber eher Preise um die 15 Euro. Das deckt gerade so die Materialkosten.

Ich halte Preise zwischen 20 und 50 Euro für angemessen – je nach Größe und Material kann das aber sehr variieren.

Fazit: Verkaufen lohnt sich nur als kleiner Nebenerwerb

Selbstgestrickte Socken zu verkaufen lohnt sich eigentlich nur dann, wenn du es ausschließlich als nebenberufliches Gewerbe neben einem Hauptjob betrachtest. Niemand wird bereit sein, Preise zu zahlen, die du aufgrund von Steuern und Co. aufrufen müsstest, um rentabel zu wirtschaften.

Trotzdem ist es meiner Meinung nach absolut nicht ok, sich bei den Preisen zu unterbieten. Unter 25 Euro für ein Paar Erwachsenen-Socken finde ich frech – und zwar weil der Preis viel zu niedrig ist!